In Bozen (Südtirol, Italien) wurde im Oktober 2000 ein Boden-Bündnis europäischer Städte und Gemeinden gegründet. In dem verabschiedeten Manifest für
das Boden-Bündnis sind die Ziele, Verantwortung, Aufgaben, Leitsätze und Maßnahmen, und der Nutzen des Boden-Bündnisses dargelegt, darüber hinaus werden die Möglichkeiten für
Partnerschaften und den Erfahrungsaustausch beschrieben. Damit geben sich europäische Kommunen die Möglichkeit, Bodenschutz im zusammenwachsenden
Europa gemeinsam umzusetzen.
Das Forum Bodenschutz und Altlasten möchte mit dieser Seite die Aktivitäten
unterstützen. Zukünftig sollen hier Links zu den Mitgliedsstädten geschaltet und über die Aktivitäten berichtet werden.
MANIFEST FÜR DAS BODEN-BÜNDNIS EUROPÄISCHER STÄDTE UND GEMEINDEN
Böden bilden zusammen mit Luft und Wasser die zentralen Lebensgrundlagen unseres
Planeten. Die Bodeneigenschaften und Bodenfunktionen sind bezüglich Standort und
Beschaffenheit der Böden sehr verschieden. Durch die ständig wachsende Bebauung und
Versiegelung durch Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie durch die ständig andauernde
Ausbeutung der Bodenressourcen und Übernutzung der Kulturflächen sind Böden lokal, und
durch die Summe, das Ausmaß und die Verbreitung aller Beeinträchtigungen, auch weltweit in
sehr hohem Maße gefährdet. Die Tragweite des Flächenverbrauchs und der Bodendegradation,
sowie die Tatsache der Unwiederbringlichkeit und der sehr langsamen Regenerationsfähigkeit
der Böden, sind vergleichbar mit den Folgen der globalen Klimaveränderungen und mit dem
Verlust der biologischen Vielfalt. Darüber hinaus besteht ein enger Zusammenhang der
Bodenveränderungen zum Klimawandel.
Es besteht weltweit ein dringender Handlungsbedarf. Alle Länder haben dazu auf staatlicher,
regionaler und lokaler Ebene einen nachhaltigen Beitrag zu leisten. Eine besondere Bedeutung
kommt dabei den Städten und Gemeinden (Kommunen) zu, die zu lokalen Flächen und ihren
Nutzern einen unmittelbaren Zugang haben. Ihre Aufgabe ist die Förderung des
Bodenbewusstseins, der Schutz der natürlichen Bodenfunktionen sowie die Beachtung der
sozialen Gerechtigkeit. Sie verfügen über Instrumente der Raumplanung und des Bodenrechts,
die konkret dazu dienen, einen nachhaltigen Umgang mit Böden in der Kommune zu fördern
und umzusetzen.
Wir Kommunen sind uns dieser Zusammenhänge und gleichzeitig auch der Chancen einer
nachhaltigen Bodennutzung bewusst, und wollen gemeinsam initiativ werden, um an der
Lösung der Probleme zu arbeiten. Wir als Kommunen geben uns mit dem europäischen
Boden-Bündnis die Möglichkeit, dies im zusammenwachsenden Europa gemeinsam
umzusetzen.
1. Die Verantwortung der Städte und Gemeinden
Wir Kommunen sehen uns in der Verantwortung für eine nachhaltige Bodenpolitik in unseren
Gebieten. Dies umfasst die ökologische Seite im Sinne der Förderung der natürlichen
Bodenfunktionen sowie die wirtschaftlich und sozial gerechte Bodennutzung.
Dazu wollen wir
unsere Handlungsspielräume für eine nachhaltige Entwicklung ausschöpfen,
unsere Vorbildfunktion als lokale Behörden wahrnehmen,
alle Akteure entsprechend der Agenda 21 bei der Planung und Gestaltung des kommunalen Raums und bei der Lösung der spezifischen städtischen und ländlichen Bodenprobleme einbeziehen,
zur Bewusstseinsbildung der Bevölkerung für einen nachhaltigen Umgang mit Böden beitragen.
Wir erkennen an, dass die Boden- und Flächenproblematik nicht nur eine lokale und regionale
Bedeutung hat, sondern dass wir darüber hinaus – im Sinne einer globalen Verantwortung –
durch unseren Lebensstil auch globale Auswirkungen auf Böden in anderen Teilen der Welt
verursachen.
2. Ziele des Boden-Bündnisses
Übergeordnetes Ziel ist der nachhaltige Umgang mit allen Arten von Böden zur Erhaltung und
Förderung aller Bodenfunktionen sowie der Bodenressourcen und des Natur- und Kulturerbes.Manifest für ein Boden-Bündnis europäischer Städte und Gemeinden
für die jetzigen und zukünftigen Generationen sowie die sozial gerechte Boden- und
Landnutzung.
Das Boden-Bündnis europäischer Städte und Gemeinden ist damit in Übereinstimmung mit den
Zielsetzungen des Tutzinger Vorschlags für ein "Übereinkommen zum nachhaltigen Umgang
mit Böden" (Bodenkonvention) und der "UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung".
3. Leitsätze und Maßnahmen
Unser übergeordnetes Ziel wird verwirklicht insbesondere durch folgende Leitsätze und
Maßnahmen.
3.1. Wir fördern unsere Eigenständigkeit und Identität durch eine verantwortliche kommunale
Bodenpolitik. Dazu
machen wir Chancen, aber auch Probleme im nachhhaltigen Umgang mit Böden bewusst,
erfassen wir den Flächenverbrauch und wiedernutzbare Brachflächen,
unternehmen wir alle Anstrengungen, um den Trend zum Flächenverbrauch und zur
Bodendegradation umzukehren,
definieren wir prioritäre Ziele zur nachhaltigen Entwicklung und verfolgen aktiv eine
sparsame Nutzung der Bodenressourcen,
unterstützen wir Bildungsmaßnahmen zu Böden und Landnutzung,
informieren wir die Öffentlichkeit über die genannten Zielsetzungen und die zu treffenden
Maßnahmen und fördern das Bewusstsein in der Bevölkerung.
3.2. Wir fördern qualitatives Wachstum oder Stabilisierung in Verantwortung für Umwelt,
Gesellschaft und Kultur. Dazu
begrenzen wir den Bodenverbrauch, lenken die Siedlungsentwicklung nach innen, und
fördern die Qualität der Siedlungsgestaltung,
erfassen und sanieren wir Altlasten und führen die Flächen einer zweckmäßigen
Wiederverwendung zu,
berücksichtigen wir bei der Bodennutzung Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der
Geschlechtergerechtigkeit,
unternehmen wir intensive Anstrengungen zur Erhaltung und Förderung der
Bodenfruchtbarkeit und Bodenbildung, wobei der bodenschonenden Nutzung und
Entsiegelung von Flächen eine besondere Bedeutung zukommt,
treffen wir Maßnahmen zur Bodenerhaltung, -verbesserung und -wiedergewinnung,
stellen wir besonders wertvolle Böden unter Schutz, schützen wir Böden vor Erosion und
Verdichtung und reduzieren Schadstoffeinträge,
erhalten wir die Funktion des Bodens als Kohlenstoff- (und Stickstoff-)speicher unter
Berücksichtigung der natürlichen Stoffkreisläufe,
treffen wir Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas und des Wasserhaushaltes
und tragen damit zur Aufwertung der Lebensqualität im Siedlungsgebiet bei,
stellen wir die umweltschonende Nutzung von Kulturland und Landschaft sicher,
fördern wir die Vermarktung regional angebauter Produkte,
tragen wir dem Natur- und Kulturerbe Sorge,
fördern wir die ökologische Vernetzung der Lebensräume.
3.3. Wir setzen auf die Innovationskraft in gemeinnütziger, partnerschaftlicher
Zusammenarbeit. Dazu
stimmen wir boden- und raumwirksame Vorhaben auf optimale Zweckmäßigkeit und
Nachhaltigkeit ab,
unterstützen wir die Umsetzung der Ziele des europäischen Raumentwicklungskonzeptes
zur nachhaltigen Raumentwicklung und des Bodenschutzes,
beziehen wir die Anliegen benachbarter Gemeinden und Regionen ein,.Manifest für ein Boden-Bündnis europäischer Städte und Gemeinden
verbessern wir die Stadt-Land-Beziehungen in gegenseitiger Abstimmung,
arbeiten wir über Grenzen hinweg partnerschaftlich zusammen.
3.4. Wir fördern mittels Instrumenten der Raumplanung und des Bodenrechts den
nachhaltigen Umgang mit Böden. Dazu
wahren wir bei Nutzungen und Eingriffen die Eigenart und Qualität der Böden und des
Ortes und werten diese auf,
nutzen wir die Böden durch zweckmäßige Zuweisung vielfältiger Nutzungen sowie durch
differenzierte Nutzungsordnung so, dass sich Böden, Natur und Landschaft optimal
entwickeln können,
beziehen wir die Anliegen der Bevölkerung und die Interessen der Landnutzer und
Grundbesitzer ein und berücksichtigen diese bei der Umsetzung,
wirken wir an der Entwicklung und der Anwendung ergänzender, marktwirtschaftlicher
Instrumente zur Steuerung einer nachhaltigen Bodennutzung mit.
4. Nutzen des Boden-Bündnisses
Der Nutzen des Boden-Bündnisses für die Kommunen liegt zunächst in der Bekenntnis zur
Mitverantwortung der Städte und Gemeinden für einen nachhaltigen Umgang mit Böden auf
lokaler Ebene.
Der nachhaltige Umgang mit Böden begünstigt die Bodenfruchtbarkeit, das Mikroklima und den
Wasserhaushalt, kann zu erheblichen Kosteneinsparungen führen, insbesondere bei
Infrastrukturausbau und –unterhalt, spart Ressourcen für die künftige Entwicklung und künftige
Generationen auf, fördert die Auslastung vorhandener Flächen und die Stabilisierung der
Siedlungsdichte, belebt öffentliche Räume und trägt insgesamt zu einer Verbesserung der
Lebensqualität in der Kommune und des Images für die Kommune bei.
Im Boden-Bündnis profitieren die Mitgliedskommunen von den Vorteilen der Zusammenarbeit
und dem Erfahrungsaustausch mit anderen Städten und Gemeinden.
5. Globale Verantwortung und Partnerschaft
Bodenprobleme sind lokalspezifisch und deshalb vorrangig vor Ort anzugehen. Gleichzeitig
haben sie auch eine internationale Dimension, die sowohl die ökologische als auch die soziale,
wirtschaftliche und rechtliche Seite umfasst.
In vielen Ländern ist die Frage der Verfügbarkeit von Boden, der Landnutzungsrechte, und der
Rechte indigener Völker auf traditionelle Territorien konfliktbehaftet. Besonders in Trocken- und
Regenwaldgebieten des Südens sind gravierende Probleme durch Boden- und
Landdegradation entstanden.
Durch unser Wirtschaften und unseren Lebensstil tragen wir zu diesen Problemen bei, indem
wir deutlich mehr Flächen in Anspruch nehmen, als wir in unseren Ländern zur Verfügung
haben und nutzen.
Partnerschaften mit indigenen Völkern und anderen lokalen Gemeinschaften in allen Teilen der
Welt, z.B. Kommunen und Organisationen, sehen wir deshalb als eine wichtige Aufgabe des
Boden-Bündnisses an. Wir wollen die Bodenproblematik in unseren Partnerschaften
berücksichtigen und unsere Möglichkeiten nutzen, einen Beitrag zur Problemlösung leisten,
besonders in Gebieten, die durch Boden- und Landdegradation stark betroffen sind.
Grundlage für die internationale Arbeit des Boden-Bündnisses ist insbesondere die „Konvention
169“ der Internationalen Arbeitsorganisation. Mit ihr wird den indigenen und in Stämmen.Manifest für ein Boden-Bündnis europäischer Städte und Gemeinden
lebenden Völkern ein Recht auf ihr Land und ihre Ressourcen, ihre eigene Lebensweise, Kultur
und Sprache zugesprochen.
6. Das Verhältnis des Boden-Bündnisses zum Klima-Bündnis
Zwischen der weltweiten Bodendegradation und der globalen Klimaveränderung besteht ein
enger direkter Zusammenhang. Der Boden ist Träger aller Ressourcen und ist Speicher von
Stoffen, die das Klima beeinflussen. Klimaänderungen wirken sich gravierend auf den Zustand
der Böden aus. Boden-Bündnis und Klima-Bündnis sehen sich als komplementäre Initiativen
unter dem übergeordneten Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Sie setzen gemeinsam auf das
verantwortungsbewusste lokale Handeln in Städten und Gemeinden und auf den Einbezug der
Nord-Süd-Dimension in kommunales Handeln.
7. Verpflichtung der Mitglieder des Boden-Bündnis
Als Mitgliedstädte und -gemeinden verpflichten wir uns dazu, in voller Ausschöpfung unserer
Verantwortung und Zuständigkeit die Ziele des Boden-Bündnisses festzuschreiben und im
Sinne der Leitsätze die erforderlichen Maßnahmen zu treffen und umzusetzen.
Wir gehen zielstrebig daran, eine Trendwende im noch immer steigenden Flächenverbrauch
und in der Bodendegradation einzuleiten und eine fortlaufende Verbesserung der
Bodensituation herbeizuführen. Bei der Lösung dieser Aufgaben beziehen wir im Sinne der
Agenda 21 alle Akteure ein.
Wir verpflichten uns zu einem laufenden Berichtswesen, zur Festlegung geeigneter Zielgrößen
und zu einer Erfolgskontrolle unserer Bodenpolitik.
Darüber hinaus pflegen wir in den Ländern und länderübergreifend einen offenen Informations-und
Erfahrungsaustausch mit den Mitgliedskommunen, und entwickeln gemeinsame Projekte
und Standards.
Wir fordern die übergeordneten politischen Ebenen auf, zur Förderung des nachhaltigen
Umgangs mit Böden und der Realisierung der Ziele des Manifestes entsprechende
Rahmenbedingungen zu setzen.
Alle Verbände, öffentlichen Einrichtungen und privatwirtschaftlichen Akteure, die diese
Leitsätze, Verpflichtungen und Massnahmen des Boden-Bündnisses unterstützen, sehen
wir als unsere Verbündeten an.
Verfasst am 24. Oktober 2000 in Bozen
Die Unterzeichner beschließen dieses Dokument …
Weitere Informationen / Kontaktadresse
Dr. Walter Huber, Landesagentur für Umwelt und Arbeitsschutz
Amba Alagi Str. 5, I-39100 Bozen
Tel. ++39 0471 291 225 / Fax ++39 0471 291 230
E-mail: umweltagentur@provinz.bz.it / www.provinz.bz.it/umwelt.htm
Folgende Städte und Gemeinden haben das Boden-Bündnis bisher unterzeichnet (Achtung, die Seite befindet sich noch im Aufbau, die Liste ist nicht vollständig):
http://www.soil-convention.org/deutsch.html
Tutzinger Projekt "Ökologie der Zeit": Böden als Lebensgrundlage erhalten! Vorschlag für ein "Übereinkommen zum nachhaltigen Umgang mit Böden" (Bodenkonvention) Weitere Informationen, Kontakt:
Dr. Martin Held
Ökonomie und Ökologie
Evangelische Akademie Tutzing
Schloßstraße 2+4
82327 Tutzing
Tel: ++49 / 8158 / 251-116
Fax: ++49 / 8158 / 251-133
E-Mail: held@ev-akademie-tutzing.de
http://www.gfbv.it/2c-stampa/2-00/23-10-dt.html
Offener Brief an die Gründungsmitglieder des Bodenbündnisses in Bozen. Menschenrechte für indigene Völker: Das Bodenbündnis als Forum indigener Anliegen
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[update: 28.03.2004]
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